Valentina Schindler: Mit Hirn und handwerklichem Geschick zum Abschluss mit Auszeichnung

Wer die Besten haben will, muss auch bereit sein, die Besten auszubilden. Anexia bildet seit mehreren Jahren Lehrlinge in den Bereichen Softwareentwicklung, Netzwerktechnik, Büro und Marketing aus: Leidenschaftlich, erfolgreich und mit Verantwortung. Wir finden, als Unternehmen ist man nicht nur sich selbst verpflichtet und darum bemüht, junge Talente für sich zu gewinnen. Nein, es geht uns auch darum, zu zeigen, dass attraktive Karrierechancen und spannende Ausbildungsmöglichkeiten auch in entwicklungsschwachen Regionen geschaffen werden können, wie zum Beispiel in Kärnten.

Einer dieser Lehrlinge bei Anexia war Valentina Schindler, die im Mai ihre Lehre zur Informationstechnologin in der Technik mit Auszeichnung abgeschlossen hat. Durch die Lehre ist Valentina nicht nur top ausgebildet und hat durch ihre Übernahme einen sicheren Job bekommen, die Stelle hat es Valentina auch ermöglicht in Kärnten zu bleiben ─ ihrer Heimat, die sie nur ungern verlassen hätte.

Wer ausbildet, hilft, gegen den Braindrain anzukämpfen. Wir fordern alle dazu auf: Bildet aus und werdet Teil unserer Mission: Wir wollen beweisen, dass auch schwächere Regionen wie Kärnten mehr bieten könnten: #joinourrevolution!

Was eine gute Lehrstelle ausmacht und auch wie es ist, als Mädchen Netzwerktechnikerin zu werden, erzählt Valentina im Interview.




 

Herzlichen Glückwunsch zum Lehrabschluss mit Auszeichnung. Wie darf ich dich jetzt bezeichnen?

Die Bezeichnung meines Lehrberufes lautet Informationstechnologin – Technik. Meine Berufsbezeichnung innerhalb der Firma ist Netzwerktechnikerin oder Network Engineer auf Englisch eben.

 

Langweilige Klischeefrage: Wie viele Mädls wart ihr in der Berufsschulklasse?

Angefangen haben wir zu fünft, von insgesamt vielleicht 30 Auszubildenden. Am Ende waren wir aber nur noch drei und die LAP bestanden habe bis jetzt nur ich.

 

Herzlichen Glückwunsch! Du scheinst ja ein Händchen für die Technik zu haben. War das für dich schon immer klar, dass du Informationstechnologin werden willst?

Ich hatte zuerst ganz andere Pläne. Als Kind hatte ich die Vorstellung, später mal Theater oder Film zu studieren. Die große Leinwand und der Broadway waren schon früh eine große Leidenschaft. Ich war auch neben dem Gymnasium nachmittags in einer Musicalschule und hatte da mehrere Stunden die Woche Schauspiel-, Gesang- und Tanzunterricht.

 

Das ist nun wirklich etwas ganz anderes. Was hat dich auf andere Wege gebracht?

Das richtige Leben: mit 16 habe ich angefangen neben der Schule zu jobben, um mein Taschengeld aufzubessern. In der Schule war ich nie gut, und ich wollte etwas Neues. Ich habe damals angefangen, acht Stunden die Woche in einem Immobilienbüro zu arbeiten, dabei hatte ich sehr einfache Aufgaben: Ordner schlichten, Post- und Archiv-Verwaltung, später sogar ein wenig Buchhaltung. Aus den anfänglichen acht Stunden wurde nach drei Jahren ein Vollzeitjob und die Matura wollte ich über die Abendschule nachholen. Das ging aber eher schleppend dahin und blieb auch aufgrund meiner Arbeit immer zweitrangig.

 

Ich glaube, dass viele Mädchen die Möglichkeit einer technischen Ausbildung nicht in Betracht ziehen, obwohl es ihnen eigentlich liegen würde. Man sollte immer den Mut dazu haben, seine Stärken voll auszunutzen.

 

Aber warum dann Netzwerktechnik? Das hatte ja alles bisher nichts damit zu tun.

Ohne Matura konnte ich nicht studieren und meine Arbeit machte mich nicht glücklich. Die Idee, eine Lehre zu beginnen, kam über ein Telefonat mit dem Techniker, der für die IT in meiner ehemaligen Firma zuständig war. Ich dachte zuerst, in der IT-Technik findet man nur junge Männer, die mit sechs Jahren schon wussten, wie man Server hackt. Aber dieser Techniker hat mich dazu bewogen, mich einfach bei ihm in der Firma zu bewerben – wo ich eiskalt eine Absage kassierte. Als Übergangslösung habe ich ein Semester an der Abendschule HTL-Mössingerstraße absolviert – die Schule, die ich als Teenager besuchen hätte müssen. Aber leider fehlte mir damals die Schneid dazu. Ich glaube, dass viele Mädchen die Möglichkeit einer technischen Ausbildung nicht in Betracht ziehen, obwohl es ihnen eigentlich liegen würde. Man sollte immer den Mut dazu haben, seine Stärken voll auszunutzen, da bin ich leider sehr spät draufgekommen.

 

Aber du hast weiter nach einer Lehre gesucht.

Ja, die Idee hat mir gut gefallen, obwohl ich mit 20 nicht unbedingt im Lehrlingsalter war. Mit Technik arbeiten konnte ich schon immer gut, ich war auch daheim immer die, die alles repariert hat. Das habe ich vermutlich von meinem Opa geerbt, der war damals so etwas, was heute der EDV-Techniker ist: Er hat Fernseher und Radios repariert und selbst im hohen Alter hat er sich mit Computer noch gut ausgekannt.

Ja, und heute bin ich froh über die erste Absage, sonst hätte ich nicht weitergesucht und wäre nie bei Anexia gelandet.

 



 

Was machst du als Netzwerktechnikerin bei Anexia so den lieben langen Tag?

Zu meinen Aufgaben gehört unter anderem die Planung und Betreuung unserer Colocation-Außenstandorte. Aufbau und Instandhaltung sind da die zwei großen Punkte. Jetzt mit unserem neuen Head of Network & Infrastructure Theo Voss kommt viel Neues auf uns zu. Im Moment wollen wir in erster Linie unseren eigenen Backbone erweitern, dafür wird in neue Hardware investiert und diese in die ganze Welt verschickt – mehr kann ich darüber aber leider noch nicht verraten.

Seit meinem dritten Lehrjahr zählt dazu auch die 24/7 Rufbereitschaft – also das Überwachen unserer über 80 Außenserverstandorte und Kundensysteme rund um die Uhr. Hier kümmern wir uns um Wartung und Monitoring und werden bei Ausfällen aktiv. Das ist natürlich auch im Tagesbetrieb ein großer Teil unserer Arbeit, es kommen laufend Tickets mit Störungsmeldungen oder Kundenanforderungen, die wir bearbeiten. Ein Netzwerk kann noch so gut gewartet sein – zu Ausfällen kann es trotzdem leider immer kommen.

 

Wie kann man sich die Planung eines solchen neuen Serverstandortes vorstellen?

In der Planungsphase wird festgelegt, welche Art von Anbindung wir brauchen, wie viel Transit wir benötigen und welchen Anbieter wir dafür beauftragen. Von diesen Faktoren hängt ab, welche Geräte wir verwenden. In seiner einfachsten Form besteht ein Serverstandort aus einem Router, einem Switch und einem Server, dann rechnen wir das Ganze noch mal zwei. Sowohl bei der Netz- als auch Stromanbindung ist Redundanz natürlich das A und O. Nach der Planung folgt die Konfiguration, dafür werden unsere Netzwerktechniker auf allen gängigen Plattformen ausgebildet, so bleiben wir unabhängig und können sämtliche Geräte selbst warten. Der Einbau vor Ort erfolgt entweder durch das jeweilige Rechenzentrumspersonal oder einer von uns fliegt zum Standort. Mein erster Solo-Trip ging zum Beispiel nach London, wo ich das erste Mal Anexia-fremde Rechenzentrumsluft schnuppern durfte. Für größere Projekte schickt man uns auch gern einmal mehrere Tage auf Montage, wie zuletzt in Frankfurt, wo wir aktuell 20 neue Racks in Betrieb nehmen.

 

Wie funktioniert hier das Monitoring? Wenn es nun heißt ─ um beim Beispiel zu bleiben ─ in London ist der Server nicht erreichbar: Was könnt ihr bei einer Fehlermeldung machen? Du kannst ja nicht vorbeifahren.

Zu Ausfällen kann es leider immer kommen, wichtig ist dabei, dass wir schon beim Aufbau darauf achten, dass sowohl Strom als auch das Netz redundant angeschlossen sind. Während eines Ausfalls kommt so der zweite Anschluss zum Tragen und der Kunde merkt im besten Fall gar nichts. Leider ist das nur das Best-Case-Szenario, natürlich gibt es zum Beispiel Geräte mit nur einem Netzteil, was bei einem Stromproblem einen Komplettausfall zur Folge hat.

 

Und was macht ihr dann?

Wenn so etwas bei einem unserer Außenstandorte passiert, können wir den Vorfall nur melden, wie du richtig sagst – wir können ja nicht vorbeifahren. In diesem Fall ist es wichtig, dass die Meldung so rasch wie möglich erfolgt. Die Response-Time während der Rufbereitschaft liegt bei wenigen Minuten – was in der Nacht schon mal spannend wird. Außerdem gibt es da natürlich noch unsere eigenen Rechenzentren, wie zum Beispiel in Wien, bei der unsere Techniker vor Ort bereit sind, im Falle einer Störung aktiv zu werden.

 



 

Was ist deine Lieblingsaufgabe bei deinem Job?

Ich mag die Abwechslung. Ich muss mich körperlich betätigen und brauche handwerkliches Geschick. Wir arbeiten recht viel mit Hardware und die Geräte, die wir warten, sind sehr speziell und teuer. Genauso ist aber auch gefordert, dass ich mich geistig immer wieder reinfuchse. Vor allem bei Ausfällen muss man sich jedes Mal neu reindenken. Langweilig wird einem bei uns sicher nicht.

 

Was schätzt du beim Arbeiten bei Anexia?

Das hört sich komisch an, aber ich arbeite tatsächlich gerne unter Druck. Zum Beispiel bei der 24/7 Bereitschaft: Andere Firmen haben eine Response-Time von einer Stunde, bei uns zählt jede Minute. Wir sind immer gleich dahinter, und das erfordert Konzentration. Jeder Standort schaut ja anders aus und so muss man bei jedem Alert individuell reagieren und sich kurz wieder reindenken. Es bleibt immer spannend.

Dazu kommt, dass ich aufgrund eines Personalwechsels im Team schon vor meinem eigentlichen Lehrabschluss sehr schnell viel Verantwortung übernehmen musste. Aber das ist auch schön, weil man so am besten lernt. Und ich bin richtig motiviert für das, was noch kommt.

 

Und was macht einen guten Lehrbetrieb aus?

Es kommt natürlich auf die persönliche Präferenz an. Mir gefällt zum Beispiel, dass ich bei einer großen Firma bin, aber dass ich dort in einer kleinen Abteilung arbeite. Hier bin ich nicht nur eine Nummer, aber die Firma ist so groß, dass es viel Abwechslung gibt, und dass man die Chance hat sich ständig weiterzubilden.

Dadurch, dass das Equipment bei uns im Lager steht, hatte ich auch immer die Möglichkeit, die verschiedenen Systeme einfach mal auszuprobieren und damit zu lernen.

Außerdem konnte ich im zweiten Lehrjahr auf eigenen Wunsch mein Fachgebiet ändern und werde seitdem in der Netzwerktechnik ausgebildet.

 

Lernst du gerne oder hast du eigentlich gerade die Nase voll vom Lernen?

Nein, gar nicht! Im letzten halben Jahr ist irrsinnig viel weitergegangen und ich musste mich direkt einbremsen, damit ich mich voll und ganz auf die Lehrabschlussprüfung konzentrieren konnte. Jetzt, da ich die Prüfung endlich hinter mir habe, kann ich mich auch wieder ganz auf die Netzwerktechnik konzentrieren – meine eigentliche Ausbildung. In nächster Zeit stehen vor allem Schulungen an, mit unserem neuen Head of Network & Infrastructure Theo kommt neuer Wind in die Abteilung. Für mich heißt das lernen, lernen, lernen, damit ich nicht auf der Strecke bleibe. Ich freue mich schon total.

 

Ich hoffe, du findest trotzdem noch ein bisschen Zeit für Freizeit und Hobbies.

Ja, das stimmt. Neben der Arbeit und dem Lernen für die Prüfung ist das in den letzten Monaten schwierig geworden. Dabei habe ich eigentlich sehr viele Hobbies: Ich male gerne, habe vor kurzem das Nähen für mich entdeckt. Und vor zwei Wochen habe ich mir sogar ein neues Mountainbike gekauft und die Klettersaison hat begonnen.

Ich hab total Heimweh, wenn ich fort bin, Fernweh ist mir fremd.

In Kärnten hast du zum Klettern und Sporteln natürlich die perfekte Ausgangslage. War das eigentlich nie eine Option für dich, von hier wegzugehen?

Früher war das für mich eigentlich die einzige Option, die ich gesehen habe. Da habe ich auch noch geglaubt, ich werde nach Wien zum Studieren gehen. Aber irgendwann kommt man drauf: Wie jedes Netzwerk hat auch der Mensch einen Backbone – und die Familie und die Freunde, die hier sind und die mich unterstützen, dass ich einfach heimkommen kann und Energie tanken kann, das würde mir irrsinnig abgehen. Ich hab total Heimweh, wenn ich fort bin, Fernweh ist mir fremd. Ich habe Mitleid mit denen, die ihren Heimatort verlassen müssen, weil es in Kärnten keine Ausbildungsmöglichkeiten gibt. Dank der Anexia in Klagenfurt habe ich zum Glück keinen Grund, von hier fortzugehen.

 

Danke fürs Gespräch.


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